Stina's Blog

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Stina Spiegelberg

Stina Spiegelberg

Warum wir mehr wertschätzen und besser konsumieren sollten

Wie ihr vielleicht schon auf meinem Instagram Kanal gesehen habt, ging es über Weihnachten für mich und meine Schwester nach Sri Lanka. Sonnig, voller strahlender Gesichter und – Kokosnüsse. Dieser Aufenthalt hat mich nicht nur sehr beeindruckt, sondern mir auch kenn mit dieser Reise hatte ich die großartige Gelegenheit einen Fairtrade und bio Hersteller von Kokosnussöl auf der Insel zu besuchen. Dieses Erlebnis möchte ich mit euch teilen, nicht nur um die aufwendige Herstellung zu zeigen, sondern vor allem weil ich möchte, dass ihr die Wahl habt.  Und eine bewusste Entscheidung treffen könnt. Den Unterschied kennt zwischen Fairness und Ausbeutung, und einem nachhaltigen Leben für jeden von uns.

Fairtrade ist der Ursprung

Auf meiner persönlichen Reise kam nach vegan und bio der Fairtrade Aspekt in mein Leben und so versuche ich seit einigen Jahren wo immer es geht auf den Ursprung meiner Lebensmittel zu achten. Ich war sehr gespannt darauf ein Unternehmen, das Fairtrade produziert vor Ort besichtigen zu können. Fairtrade zu kaufen ist der einzige Weg den Menschen, die unsere Konsumgüter produzieren ihren fairen Lohn und Arbeitsbedingungen zu zahlen. DER einzige Weg für eine nachhaltige und soziale Zukunft.

Stell dir das so vor: Als Kind siehst du es als selbstverständlich an, wenn deine Mutter oder dein Vater dir Mittagessen kochen. Du weißt nicht wie viel Aufwand es ist einkaufen zu gehen, das Gemüse zu schneiden, den Tisch zu decken und hinterher das Geschirr abzuspülen. ABER wenn du das erste Mal für dich selbst kochst, erkennst du welche Arbeit dahinter steckt. Und sehr wahrscheinlich wirst du fortan die Arbeit deiner Eltern mehr wertschätzen. Wenn wir wissen wie viel Aufwand, Zeit und Liebe in unser Essen gesteckt wurde, sind wir bereit dafür einen höheren Preis zu zahlen. Übrigens nebenbei bemerkt was gutes Marketing uns durch Verpackungsdesign suggeriert (mit Attributen wie “homemade”, “artisan” usw.)

In Deutschland sind 75% der verkauften Lebensmittel verarbeitet. In den USA sind es sogar über 95%. Wir entfremden uns von unserem Essen. Wir vergessen wie es angebaut und geerntet wird, verarbeitet und transportiert wird. Und damit vergessen wir diejenigen zu bezahlen, die unser Essen anbauen, ernten, transportieren und verarbeiten. Das was uns am Leben hält. Vor 100 Jahren gaben Familien über 45% ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus, heute sind es nur noch 15%. Der Stellenwert von Nahrungsmitteln ist gesunken und dabei lechzen wir nach mehr mehr mehr – und das so billig wie möglich. Wo möglich Bio und Fairtrade zu leben bringt uns zurück zu unseren ursprünglichen Werten, zu einem sozialen Miteinander und einer ehrlichen Wertschätzung dessen was uns nährt und zu den Menschen, die an diesem Prozess beteiligt sind.

Der Kokosöl-Produzent: Serendipol

Meine Schwester und ich haben Serendipol besucht, einen Kokosöl-Produzenten in Kuliyapitiya, Sri Lanka. Die Produktion stand im Dezember still, weil in 2019 das Sortiment erweitert wird und dafür umgebaut wurde. Aber beide Manager Gordon und seine Tochter Sonali waren vor Ort, um uns das Gelände zu zeigen, uns die Produktion zu erklären und alle Fragen zu beantworten. 

Serendipol wurde 2007 gegründet, von Anfang an mit nachhaltiger und sozial orientierter Produktion. Das Unternehmern wurde damals von Mike Bronner dem Gründer von Dr.Bronner’s ins Leben gerufen und produziert heute für Dr. Bronner’s und Rapunzel Naturkost Kokosnussöl. Gordon berichtete, ein so schnelles Wachstum sei nur möglich gewesen, weil das Unternehmen von Null angefangen habe. Normalerweise benötigen Böden und Pflanzen 3 Jahre für die Umstellung auf bio-Standards, bis sie unter diesem Siegel verkauft werden können. Auch hier leistet der “Hand in Hand” Fond Unterstützung und kompoensiert den Bauern die Zeit in denen sie noch nicht bio verkaufen können, aber bereist Aufwendungen für die Umstellung haben.

Die Anstellung in einem Fairtrade Unternehmen bringt einige Vorteile mit sich, die wir in Deutschland als gegeben erachten, in Ländern wie Sri Lanka allerdings eine absolute Besonderheit und ein Privileg darstellen (leider). Die Vorteile beschränken sich allerdings nicht nur auf die Mitarbeiter des Unternehmens, die umliegenden Gemeinden profitieren auch in hohem Maße von Serendipol. An erster Stelle erhalten die Arbeiter einen fairen Lohn, der weit über dem Mindestlohn in Sri Lanka liegt. Der aktuelle Mindestlohn liegt bei 9.000 Rupies im Monat, was etwa 45€ entspricht. Die Arbeiter erhalten darüber hinaus eine Provision nach Arbeitsleistung.

Fairtrade ist sehr sozial orientiert, und damit der Arbeitgeber sicher gehen kann, dass die Leistungen ankommen, wo sie gebraucht werden, wird für die Mitarbeiter und ihre Familien direkt in Bildung, Gesundheit und Dinge wie Elektrizität und reines Wasser gesorgt. Keine Selbstverständlichkeit in Sri Lanka.

Wir bekamen die Möglichkeit bei der Schenkung-Zeremonie zu einem Festzelt für die örtliche Bestattung dabei zu sein, damit künftig die Trauerfeiern im Schatten abgehalten werden können. Wir konnten auch eine Schule für Näherinnen besichtigt, die dort nach traumatischen Erfahrungen ausgebildet wurden, um ihnen eine Zukunft mit eigener Erwerbstätigkeit zu schenken. Alles finanziert und unterstützt durch den “Hand in Hand” Fond.

Ich glaube in warmen vier Wänden lässt es sich einfach als Selbstverständlichkeit annehmen, dass es anderen Menschen nicht viel schlechter gehen kann. Solange wir es nicht gesehen haben. Zu wissen, dass mein Einkauf Ausbeutung ODER Fairness unterstützt, macht mir die Entscheidung leicht. Sich nicht entscheiden gibt es nicht. Wir sind alle Konsumenten. Jedes Mal, wenn du im Laden das richtige Kokosöl kaufst, kommt dein Geld genau hier an: bei den Menschen, die es sich ehrlich verdient haben. Du brauchst kein Geld am Ende des Jahres spenden, wenn du das ganze Jahr über Menschen ehrlich und fair für ihre harte Arbeit bezahlst. Denn Kokosnüsse ernten und verarbeiten ist so viel Handarbeit.

Maschinen können Handarbeit nicht ersetzen 

Serendipol verarbeitet jeden Tag um die 150.000 coconuts Kokosnüsse. Die Kokosnüsse kommen direkt von den Bio-Bauern, deren Fahrer mit GPS detract werden, um zu vermeiden, dass zwischenzeitlich minderwertige oder nicht bio-zertifizierte Waren aufgeladen werden. Die Nüsse werden in der Production aufgebohrt und nur die Arbeiter können am Geruch erkennen ob die Nuss reif ist und der geforderten Qualität entspricht. Sie werden zum Abtropfen gelegt und das Kokoswasser wird aufgefangen.

Im nächsten Schritt werden die Kokosnüsse von Hand vorsichtig geöffnet, denn jede Kokosnuss ist anders. Sonali, die Geschäftsführerin und Mitarbeiterin von Serendipol sagte es so treffend: “The people are the heart and soul of this company”. Die Menschen sind Herz und Seele dieser Firma.

Das meiste Kokosöl von Serendipol wird mit der inneren dünnen Kokosschale gepresst. Da es einen leichten Gelbton im Öl hinterlässt und viele Verbraucher inch ein reines weiß wünschen, wird das Öl für wenige Kunden ohne Schale produziert. Das Fruchtfleisch wird gehexelt und getrocknet. Dann wird das Öl in einem schonenden Vorgang gepresst und abgefüllt.

Randnotiz: Serendipol beschäftigt 60% weibliche Arbeiterinnen und 3 Frauen im Management (von 40). Wir hoffen, dass sich die Quote im Management fünfeig noch angleicht, derzeit sind mit der benötigten Ausbildung allerdings keine Frauen verfügbar. Der Ausbildung von Frauen muss bereits in einem frühen Alter Beachtung geschenkt werden, um sie für Manager-Stellen vorzubereiten.

Um das Wissen um bio-Landwirtschaft, speziell im Anbau von Kokosnüssen, auszutauschen beschäftigt Serendipol Agrawissenschaftler, die ihr Wissen vor Ort mit den Bauern teilen und sie arbeiten eng mit der Regierungskommission für Kokosnüsse in Sri Lanka zusammen. Ich wünsche Ihnen auch für die Zukunft viel Erfolg bei der weiteren Umsetzung und Ausweitung der Bio-Landwirtschaft in Sri Lanka.

Zero waste Kokosnüsse

Serendipol hat ein System geschaffen, indem kein Bestandteil der Kokosnuss weggeworfen wird. Unglaublich schön. Oftmals, wenn wir als Verbraucher vermuten wie Unternehmen mit ihren Ressourcen umgehen, vermuten wir falsch. Aus unternehmerischer Sicht ist die umweltschädigende Entsorgung oftmals günstiger und einfacher als die Weiterverarbeitung oder sogar der Verkauf.

In Sri Lanka sind Kokosnüsse Allrounder – nicht nur zum Essen. Sie eigenen sich für Kosmetik, als Schalen, Löffel und in Matratzen. Abgesehen vom Fruchtfleisch und dem Öl, das daraus gewonnen wird, dient der Presskuchen aus der Ölherstellung als Tierfutter oder kann als Kokosmehl verkauft werden. Das Kokoswasser wird bei Serendipol inzwischen auch weiter verkauft und die Schalen in einer Biogasanlage verwertet oder als Rohstoff für Kohle und Briketts verkauft. Die Natur ist in sich perfekt, wir müssen nur lernen wozu sich all ihre wertvollen Bestandteile verwenden lassen.

Dieser Eindruck ist nur ein Ausschnitt meines reichen Besuchs. Ich möchte mit diesem Artikel keine Werbung für Kokosöl machen. Viel wichtiger ist mir, dass wir erkennen, dass hinter jedem Produkt ein fairer Wert steht, ehrliche Arbeit und Menschen mit Herz und Familie. Dieser Planet beheimatet uns alle gemeinsam. Wir haben nur eine Zukunft, wenn wir dieser gemeinsam begegnen. Der erste Schritt ist für mich ist füreinander sorgen. Oder zumindest sicher zu stellen, dass es der Person, die meine Nahrungsmittel verarbeitet durch meinen Einkauf besser geht.

Ein großes und herzlicheösa Dankeschön an Serendipol für all die Zeit, die ihr euch genommen habt, die unglaubliche Gastfreundschaft und Hingabe mit der meine Fragen beantwortet wurden. Und eine feste Umarmung geht an dieser Stelle an Rapunzel Naturkost, die diesen Besuch erst ermöglicht haben (keine bezahlte Werbung). Dieser Besuch wurde nicht bezahlt oder gesponsert. Mir wurde lediglich die Autofahrt von meinem Camp zu Serendipol und zurück bezahlt.

Inspiration

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